Familie Allius – Familienchronik

Diese Familienchronik beschreibt die Familie Allius über 12 Generationen. Die Allius’e zogen von Sachsen über Bayern und Preußen nach Westfalen. Die Familie wurde geprägt von Notaren, Juristen, Kaufleuten und Beamten. Vereinzelt sind auch Künstler, Ingenieure und Handwerker zu finden.

Der Familienname Allius

Der Familienname Allius ist ein sehr seltener Nachname. Die Endung ‚-ius‘ deutet auf eine lateinische Herkunft hin. Die genaue Herkunft ist aber nicht bekannt. Im Mittelalter war die Verkehrssprache der Gelehrten Latein. Die Latinisierung von Namen war bei Akademikern sehr beliebt, da nichtlateinische Namen in akademische Diskussionen nur umständlich zu verwenden waren. Studenten schrieben sich daher oft schon mit einem latinisierten Namen ein. Dokumente die dieses Gebaren in der Familie Allius belegen, sind aber bisher nicht bekannt.

Im Humanismus wurden die klassische Sprachen, wie Latein und Griechisch, sehr hoch geschätzt. Deswegen latinisierten oder gräzisierten Akademiker ihre Namen schon seit dem 15. Jahrhundert. In Sachsen war dies auch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch sehr beliebt1. Auch in der Familie Allius ist dies zu beobachten. So wurde aus Matthäus Heinrich Allius ⇒ Matthæus Henricus Allius. Zu beachten ist, dass hier nur der Vorname latinisiert werden musste, den der Nachnahme hatte ja schon eine lateinische Endung.

Verbindung zum Namen Knoblauch?

Wohlmöglich entstand der Name Allius auch durch Abwandlung des lateinischen Wortes Allium (deutsch: der Knoblauch). Dazu passt eine von B. E. Hugo Gerstmann zusammengestellte Ahnentafel2 aus dem Jahre 1923, die mit der Überschrift „Allius ( ≡ Knoblauch) aus Sachsen“ betitelt ist. Dies würde diese Hypothese stützen. Bisher habe ich aber keine weiteren Urkunden oder Dokumente gefunden, die diese Herkunft des Namens stützen. Insbesondere scheint eine Abstammung von den Adelsgeschlechtern Knoblauch eher unwahrscheinlich.

Allius’sche Wappen

Das abgebildete Wappen ist bekannt von einem Kupferstich3,4 aus dem Jahre 1713, welches ein Porträt von Johann Heinrich Allius zeigt. Markant ist der Kranich in einem spitzwinklig aufsteigenden Feld mit beidseitig je einen angeordneten Rosenzweig. Jedoch ist nicht bekannt, wer dieses Wappen stiftete und annahm. Auch gibt es keine Hinweise, dass seine Brüder ebenfalls dieses Wappen führten. Somit scheint es, dass es von Johann Heinrich selbst angenommen wurde und nur durch ihn oder seine Nachkommen geführt werden durfte. Darüber hinaus sind keine weiteren Allius’sche Familienwappen bekannt.

Skizze des Allius'schen Wappen
Allius’sche Famillienwappen von
Johann Heinrich Allius

Allius in Frankreich und Amerika

Außer in Deutschland findet man den Familiennamen Allius gehäuft noch in Frankreich und Amerika. Jedoch konnte ich eine Verbindung unserer Familie nach Frankreich oder Amerika bisher nicht finden. Im süddeutschen Raum ist der Name Alius (mit nur einem ‚L‘) häufiger anzutreffen. Auch hier konnte ich noch keine Verbindung zu unserer Familie Allius finden, wenn auch vereinzelt in Urkunden der Name als Alius geschrieben wurde. Hier handelt es sich aber nur um Schreibfehler, die nicht weiter fortgeführt wurden.

Erstmalig wurde der Name Allius in einem Taufeintrag vom 11. August 1581 in Tübingen erwähnt. An jenem Tage wurde Hans Philipp Allius als Sohn von M. Erhardus Allius und Barbara Allius getauft. Eine Verbindung zu unserer Familie ist bisher nicht nachgewiesen.


Unser Stammvater – Vom Schulmeister zum Notar

Der nachgewiesene Stammvater5 der Familie Allius ist der Notar Matthäus Allius Senior. Er lebte in Grimma (Sachsen) und später in Döbeln bei Leipzig, wo er 1669 verstarb. In Grimma wurde auch sein Sohn Matthäus (*1632) und in Döbeln seine Tochter Anna Maria (*1636) geboren. Die Tochter heiratete Christian Beyer und lebte bis zu ihrem Tode (†1694) in Döbeln.

Otto Paul Thomas beschrieb in „Chronik der Schulen zu Döbeln“6,7 den Schulmeister Matthäus Allius. Matthäus war danach Schulmeister in einem kleinen Dorf an der sächsisch-bömischen Grenze und betitelte sich als Rechenmeister. Er zog 1635 nach Döbeln. Die kommenden Zeiten in Döbeln waren schwer. Im Jahre 1637 kam die Pest und 400 Schweden plünderten die Stadt8. Seine Familie blieb wohl von beidem verschont, jedoch hatte er nur geringe Einnahmen aus dem Schuldienst. Seine Frau eröffnete darauf einen Gewürzladen. 1641 kündigte Matthäus den Schuldienst, weil er lieber Handel betrieb. Im Jahre 1659 war er dann ‚Notar publ. und Juris pract.‘ zu Döbeln.

Die Zeit in Johanngeorgenstadt (Erzgebirge)

Der Sohn Matthäus Allius Junior heirate 1659 in Döbeln die aus Döbeln stammende Anna Sophia Franke. Matthäus wurde Steuerinspektor, Stadtrichter und Stadtschreiber in der 1654 neugegründeten Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. Für seine Verdienste um die Stadt erhielt Matthäus 1680 für sein Bürgerhaus am Markplatz das kurfürstliche Privileg. Zur Hochzeit seines zweiten Sohnes wird Matthäus 1694 mit den Worten

Der „Edel Veste und Wohlgelehrte Herr“ Matthäus Allius, kurfürstlich sächsischer Steuerinspektor, Stadtrichter und Stadtschreiber in Johann-Georgenstadt

im Kirchenbuch beschrieben9. Matthäus und Anna Sophia bekamen zehn Kinder (6 Töchter und 4 Söhne).

Drei seiner Töchter heirateten in die Familie Löbel ein, aus der der erste Bürgermeister, Johann Löbel der Älteste10 (1592-1666), und der erste Bergmeister, Abraham Wenzel Löbel10 (1631-1707), von Johanngeorgenstadt stammten. Der älteste Sohn Dr. Matthäus Heinrich Allius ging nach Dresden, der zweite Sohn Johann Heinrich Allius, wie auch der jüngste Sohn Julius Heinrich, gingen nach Regensburg. Der dritte Sohn Christoph Heinrich Allius verstarb mit nur 28 Jahren (†1700) ein halbes Jahr vor dem Vater Notar Matthäus (†1701). Damit verschwand die Familie Allius wieder aus Johanngeorgenstadt.


Familie Allius in Oschatz und Dresden

Der Hof- und Justitienrat Dr. Matthäus Heinrich Allius

Der 1662 in Johanngeorgenstadt geborene  Matthäus Heinrich Allius besuchte in Johanngeorgenstadt die Lateinschule. Anschließend, im Jahre1673, wurde er von seinen Eltern in die Stadtschule zu Döbeln gesendet11. Danach ging er von 1675 bis 1681 an die Landesschule Pforta12, wo er eine Freistelle erhielt. Danach studierte er an der Universität zu Leipzig Rechtswissenschaft und promovierte 1687 in Wittenberg. Er heiratete 1689 in Oschatz (Sachsen) die aus Dresden stammende Johanna Sophia Höpner. Das Ehepaar bekam in Oschatz vier Kinder (3 Töchter und 1 Sohn). Der 1690 geborene Sohn August Heinrich Allius studierte ebenfalls die Rechtswissenschaft und promovierte 1713 an der Universität Wittenberg. Im Jahre 1720 verstarb der Sohn Dr. August Heinrich Allius nur 30 Jahre alt. Ehefrau und Kinder sind nicht bekannt. 

Nach seiner Promotion wechselte Dr. Matthäus Heinrich Allius in den sächsischen Staatsdienst. Ihm wurde zunächst die Kammer-Prokurator aufgetragen11. 1710 wurde er ins Hof- und Justitien Raths Collegium am Oberhofgericht in Dresden berufen. Bis zu seinem Tod hatte er dort einen dauerhaften Platz auf der Gelehrtenbank. Im Jahre 1715 verstarb seine Ehefrau Johanna Sophia Höpner in Dresden. Zwei Jahre später heiratete er Gertraude Henriette Albhard aus Helmsdorf. Diese Ehe blieb soweit bekannt kinderlos.

Gräber in der Dresdener Frauenkirche

Im Jahr 1731 stiftete Matthäus Heinrich die Allius’sche Stiftung zur Unterstützung seiner Verwandten, bevor er 1734 in Dresden verstarb. Matthäus und seine Frau Sophia wurden in den Stollen der Dresdner Frauenkirche13 beigesetzt. Im Register der Katakomben ist unter den 244 aufgeführten Personen, auch das Ehepaar Ulrici aufgeführt. Die Ehefrau Rahel Sophia Ulrici (geb. Allius) war die jüngste Tochter des Dr. Matthäus Allius und heiratete 1710 in Dresden den Rechtsanwalt Dr. Albinus Ehrenfried Ulrici. Rahel starb 1751 und Albinus 1758. Mit ihnen wurden somit vier Familienmitglieder in den Stollen der Dresdener Frauenkirche beigesetzt.

Porträt Matthäus Heinrich Allius, Dresden 1734
Bildquelle: Picryl.com
Dr. Matthäus Heinrich Allius
Dresden 1735

Zwei Allius’e gehen nach Regensburg

Der Ratsherr Johann Heinrich Allius

Der 1666 in Johanngeorgenstadt geborene Johann Heinrich Allius wurde Kaufmann. Er heiratete 1694 in Regensburg als Bürger und Kramhändler die Anna Maria Dummer. Anna Maria war eine Bürgers- und Kramhändlers-Witwe. Ein Kramhändler handelte mit qualitativ hochwertiger Ware (Kramware), die in der Regel Güter des gehobenen Bedarfs oder aus dem Fernhandel waren. Die Kramhändler genossen gesellschaftliche Wertschätzung.

Johann Heinrich erwarb das mittelalterliche Anwesen an der Ecke Untere Bachgasse / Gesandtenstraße Hausnummer 12/14 in Regensburg und baute dies von 1704 bis 1713 umfänglich um. Unteranderen wurde der Giebel geändert und das Haus erhielt einen Aufzugserker für die Handelswaren14.

Von 1704 bis 1711 steht Johann Heinrich in den Listen des Hansgerichts und er war Mitglied des Äußeren Rats. Anschließend wurde er Steueramtsassessor bis er 1722 in den Innern Rat gewählt wurde9.

Schutzbrief gegen Repressalien

Im Jahre 1717 wurde für Johann Heinrich ein Schutzbrief15 mit folgenden Titel ausgestellt:

Allius, für Johann Heinrich Allius (Bürger, Handelsmann und Steuer-Assessor in Regensburg), der durch den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach Repressalien befürchtet, nachdem er seinen durch den Markgrafen gefangen gesetzten Freund (Doktor Händel, ehemals Hofprediger am Ansbachischen Hof) während der Gefangenschaft mit Geld und Kleidung versorgt hat

Porträt und Wappen Johann Heinrich Allius 1704
Bildquelle: Wikimedia Commons
Johann Heinrich Allius
Porträt zur Wahl ins Hansgericht
Regensburg 1704

Johann Heinrich verstarb mit 61 Jahren (†1728 Regensburg). Sein Anwesen in der Unteren Bachgasse 12/14 blieb bis 1810 im Besitz der Allius’schen Erben und wurde dann verkauft. Heute ist er noch als Schwabacher (zuvor Lerchenfelder) Hof in Regensburg bekannt.

Johann Heinrich und Anna Maria hatten zwölf Kinder (6 Töchter und 6 Söhne). Nur von ihrem fünften Sohn Johann Zacharias (*1713) sind weitere Kinder bekannt. Dieser Johann Zacharias heiratete zweimal. Von seiner ersten Frau, Maria Barbara Keller (*1724), bekam er fünf Kinder (3 Töchter und 2 Söhne) und von seiner zweiten Frau, Margaretha Elisabeth Karoline, eine weitere Tochter.

Grabmahl St. Petri Friedhof Regensburg

Auf dem Foto ist das im Jahre 1728 angelegte Grabmal zu Ehren der beiden Ehemänner Johann Caspar Weller und Johann Heinrich Allius und der Ehefrau und Witwe Anna Maria geb. Dummer zu sehen.

Bildquelle: Verbandblatt der Familien Glafey, Hasenclever, … No 39/40 Seite 173, Jg. 1926

Genealogische Daten:
Johann Caspar Weller (*15.2.1667, †16.2.1696) 
Johann Heinrich Allius (*12.3.1666, †23.2.1728)
Anna Maria Dummer (*16.7.1676, †28.11.1750)
Grabmahl Allius, Weller, Dummer

Der weltliche Spitalmeister Julius Heinrich Allius

Der am 28. September 1674 in Johanngeorgenstadt geborene Julius Heinrich Allius heiratete Margarethe Christina geb. Gemeiner (*1670). Soweit bekannt hatten Sie zehn Kinder (5 Töchter und 5 Söhne). Julius Heinrich war von 1709 bis 1726 weltlicher Spitalmeister des Sankt Katharinenspitals zu Regensburg16. Er verstarb 1727 und wurde in Regensburg beerdigt. Nur von zwei seiner Söhne sind Kinder bekannt. Vom zweiten Sohn Gottlieb Heinrich (*~1703, †1770) ist ein Sohn, David Heinrich (*1745 Regensburg, †1762), urkundlich bekannt.

Familie Allius wieder in Dresden

Der Proviant-Offizier Jacob Heinrich Allius

Mit Julius Heinrichs dritten Sohn, Jacob Heinrich Allius (*1707 Freiberg, †1758 Dresden), ging zum zweiten Male ein Allius nach Dresden.

Er heiratete dort Catharina Sophia Petzold (*1712) und wurde Proviant-Offizier und später Proviant-Kommissar in der Sächsischen Armee. In der Zeit führte die Sächsische Arme vier Kriege, den Polnischer Thronfolgekrieg (1733-1738), den Ersten Schlesischer Krieg (1741-1742), den Zweiten Schlesischer Krieg (1744-1745) und den Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Sie bekamen fünf Kinder (1 Tochter und 4 Söhne). Nur vom älterem Sohn, Anton Heinrich Allius, sind weitere Nachkommen nachgewiesen.


Die Zeit der Wundärzte (Chirurgi)

Im 18. Jahrhundert wurde noch, wie im Mittelalter, zwischen handwerklichen und akademische Ärzten unterschieden. Während die gelehrten Ärzte (Medici) für die Innere Medizin zuständig waren, wurden Operationen und Wundversorgungen ausschließlich von Wundärzten (Chirurgi) vorgenommen. Die Wundärzte hatten eine handwerkliche Ausbildung bei einem Bader oder Barbier zu durchlaufen. Sie legten eine Gesellenprüfung vor einem akademischen Arzt ab. Anschließend ging der Geselle circa sechs Jahre auf Wanderschaft. In der Meisterprüfung wurde auch eine theoretische Prüfung in Anatomie und Chirurgie abgelegt. Zur Qualitätssicherung wurden Berufsordnungen geschaffen, so durften bestimmte Operationen nur in Anwesenheit eines gelehrten Arztes durchgeführt werden.

Der Wundarzt Anton Heinrich Allius

Der in Dresden geborene Anton Heinrich Allius (*1739 Dresden, †1822 Birnbaum) war ein solcher Chirurg in Birnbaum. Im Jahre 1781 heiratete er die Anna Rosina geb. Schiering. Sie hatten fünf Kinder (2 Töchter und 3 Söhne). Die ältere Tochter Christine Charlotte (*1784) heirate den Apotheker Johann Friedrich Damaschke. Die Söhne Gottfried Heinrich (*1782, †1838 Königsberg (Neumark)) und Johann Gottlieb (*1789, †1873 Birnbaum) wurden ebenfalls Wundärzte. Die jüngste Tochter Dorothee Florentine Wilhelmine Allius (*1792) heiratete den Tuchmachermeister Johann Michael Prettin. Der jüngste Sohn Jakob Heinrich Allius (*1794, †1813) verstarb mit nur 18 Jahren.

Der Wundarzt Gottfried Heinrich Allius

Gottfried Heinrich Allius wurde Kreis-Wundarzt zu Königsberg in der Neumark. Er war dreimal verheiratet. Im Jahre 1806 heiratete er Johanna Wilhelmine geb. Kuhnow (*1786, †1816), die mit nur 30 Jahren an Auszehrung starb. Bereits einen Monat nach dem Tod seiner ersten Frau, heiratete er die Friederike Karoline geb. Kuhnow (*1793, †1836). Vermutlich eine Schwester oder Cousine seiner ersten Frau. Aus der ersten Ehe ging nur ein Kind, Emilie Berta (*1809, †1829), hervor. Emilie Berta nahm sich mit nur 20 Jahren das Leben. Bereits vier Monate nach der Hochzeit mit Friederike Karoline kam das Erste von fünf Kindern (3 Töchter und 2 Söhne) aus der zweiten Ehe zur Welt. Der erste Sohn Heinrich Leonhardt Gustav (*1816) wurde Maler. Sein einziger Sohn verstarb mit nur sieben Jahren.


Freischulz zu Dragebruch (Neumark)

Das Lehnswesen bezeichnet das umfassende erbliche Nutzungsrecht an einer fremden Sache, dem Lehn, welches von dem Besitzer vergeben wurde. Bei dem Lehn handelt es sich oft um ein Gut, dem Lehngut. Ein Lehnschulz ist ein Schuldheiß, der ein mit seinem Amt unteilbar verbundenes vererbliches Lehngut inne hatte. Bei dem Lehngut handelt es sich meist um den größten Bauernhof des Ortes. Der Lehnschulz war normalerweise von der Pflicht der bäuerlichen Abgaben befreit und wurde daher auch Freischulz bezeichnet. Mit dem Tod eines Lehnschulzen ging dessen Amt und Hof an den ältesten Sohn über. Fehlte ein männlicher Nachfolger, so erbte der Ehemann der ältesten Tochter.

Der zweite Sohn von Gottfried Heinrich, Hermann Reinhold Heinrich Allius (*1819 Königsberg, †1888 Münster) war ein angehender Freischulz. Er heiratete 1844 die Auguste Emilie Rosalie Mathilde Munk (*1824), die älteste Tocher des Freischulz Gottlob Munk zu Dragebruch. Damit wurden er angehender Freischulz zu Dragebruch. Aus der Ehe gingen keine Kinder hervor.

Die Königlich-Westfälische Eisenbahn

Acht Jahre später, im Jahre 1852 heiratete er zum zweiten Mal. Diesmal die Elise Theodora Marie Süßenbach aus Schmiedeberg (Schlesien). Im entsprechenden Kirchenbuch von Willebadessen wurde vermerkt, dass Hermann Reinhold Heinrich Allius Junggeselle sei. Wenn dies kein Fehler war, könnte dies auf eine Scheidung oder Annullierung der erste Ehe hinweisen. Aus der zweiten Ehe gingen sechs Kinder (2 Töchter und 4 Söhne) hervor. Hermann Reinhold Heinrich Allius arbeitete bei der königlich Westfälischen Eisenbahn und so zog die junge Familie recht häufig um (1852 Willebadessen, 1854 Warburg, 1856 Greven, 1861 Hamm). Zuletzt zog die Familie nach Münster wo er später als Eisenbahn-Sekretär pensioniert wurde. Reinhold Allius war ordentliches Mitglied im Westfälischen Verein für Vogelschutz, Geflügel- und Singvögelzuchtg17.

Die vier Söhne von Hermann Allius

Der erste Sohn Bernhard Allius (*1854 Warburg) wurde Buchhalter und ging zunächst nach Elbing und später nach Berlin. Siehe dazu „Familie Allius – Die Allius-Schöler Line„.

Westfälische Staatseisenbahn am Pass von Neuenheerse, 1855
Bildquelle: Illustrierte Zeitung 24. Band 1855
Westfälische Staatseisenbahn am Pass von Neuenheerse, 1855

Der zweite Sohn Reinhold Hermann Emil Allius (*1856 Greven, †1884 Vlotho) ging als Kaufmann nach Vlotho und heiratete 1882 die Wilhelmine Henriette Pohlmann. Jedoch verstarb er nur 2,5 Jahre später. Die Ehe blieb kinderlos.

Der dritte Sohn Gustav Albert Allius (*1857 Greven, †1873 Münster) verstarb mit nur 15 Jahren an Lungenschlange (plötzlicher Tod bei einer Lungenembolie).

Der vierte Sohn Hermann Albert Reinhold Allius (*1863 Hamm, †1944 Bielefeld) blieb in Westfalen. Siehe dazu „Familie Allius – Die Allius-Lucks Linie„.


Familie Allius – Die Allius-Schöler Linie

Bernhard Allius ging von Münster nach Elbing. Dort hatte er eine Stellung als kaiserlicher Bankbuchhalter. Später heiratete er (⚭ 1885) in Elbing Marie Schöler (*1863). Sie bekamen fünf Kinder (3 Töchter und 2 Söhne), die alle in Elbing geboren wurden. Bernhard wurde mehrmals befördert und war 1894 Reichsbankbuchhalter und 1908 Reichsbankkassierer. Dann ging er nach Berlin, wo er später zum Reichsbank Oberbuchhalter befördert wurde.

Bruno Allius wird Heilpraktiker

Sein ältester Sohn Bruno Bernhard Paul Allius (*1887 Elbing, †1962 Braunschweig) wurde Betriebstechniker und Ingenieur. Er ging nicht mit seinem Vater nach Berlin sondern blieb in Elbing, heiratetet dort (⚭ 1914) Hedwig Klara Schudde. 1915 wurde er zum Militärdienst einberufen und war beratender Ingenieur im Kraftwagenhilfsdepot. Nach Ende des ersten Weltkrieges zog er nach Braunschweig, wo er als Heilpraktiker eine Praxis für Beinleiden eröffnetet. Aus der Ehe ging ein Kind (1 Tochter) hervor. Nach dem Tod seiner Frau heiratete er 1957 noch ein zweites Mal. Die zweite Ehe blieb kinderlos. Die Praxis wurde von seinem Partner Günther Weinrich übernommen und wird von dessen beiden Söhnen heute noch weitergeführt.

Werner Allius am Deutschen Opernhaus Berlin

Der jüngere Sohn Werner Allius (*1894 Elbing, †1953 Berlin) war Oberrealschüler und besucht 1913 die Kunstschule. 1915 ging er wie sein großer Bruder zum Militärdienst. Zunächst ging er als einjährig-Freiwilliger zur Eisenbahnbau-Kompanie. Später wurde er Unteroffizier und Offiziersanwärter. 1918 kam er als Vizefeldwebel leicht verletzt nach Berlin zurück. Dort war er zunächst als Kaufmann tätig. Sein Interesse für die Kunst blieb aber. Im Adressbuch wird er später als Opernsängern betitelt. 1935 war er dann Inspizient des Deutschen Opernhauses. Werner Allius heiratete (⚭ 1923) Antonie Emilie Regine Süßer. Sie bekamen einen Sohn Bernd Götz Allius (*1925 Berlin).


Familie Allius – Die Allius-Lucks Linie

Herman Albert Reinhold Allius wuchs in Hamm und später (1875) in Münster auf. Über seine Berufsausbildung ist nichts bekannt. jedoch wurde er in der Sterbeurkunde seines Vaters (†1888) als Militärinvalide angegeben. Vier Jahre nach dem Tod des Vaters heiratete er die Emma Maria Lucks (*1872 Ogonken, †1956 Bielefeld). Er arbeitete in Münster als Hülfsschreiber und Hülfskanzlist am Gericht. 1899 ging er für drei Jahre nach Bochum und ging anschließend wieder nach Bielefeld. 1924 wurde es dort als Kanzleisekretär pensioniert. Aus der Ehe gingen fünf Kinder (2 Töchter und 3 Söhne) hervor.

Sein erster Sohn Hermann Bernhard Karl Allius (*1893 Münster, †1894 Münster) verstarb mit nur 6 Monaten.

Familie Allius in Bielefeld

Der zweite Sohn Arnold Bernhard Carl Allius (*1895 Münster, †1926 Gütersloh) war Stadtsekretär in Bielefeld. Er heiratete 1921 die Erna Marie Seelemeyer (*1901 Bielefeld, †1977 Bielefeld). Die Ehe wurde nach nur drei Jahren wieder geschieden. Eineinhalb Jahre nach der Scheidung verstarb Arnold Allius in der Provinzialheilanstalt zu Gütersloh. Die Ehe blieb kinderlos.

Der Sparkasseninspektor Kurt Allius

Kurt Friedrich Hermann Allius (*1902 Bochum, ⚔1945) war der jüngste Sohn von Reinhold Allius. Kurt war 1927 Handlungsgehilfe in Bielefeld und wurde in den nachfolgenden Jahren Sparkassensekretär, Sparkasseninspektor und zuletzt Kreissparkasseninspektor.

Er heiratete 1930 die Marie Margarete Vogel (*1904 Bielefeld, †1989 Bielefeld). Nach der Hochzeit baute er in der Diesterwegstraße unser Elternhaus, in das sie 1935 einzogen. Aus der Ehe gingen zwei Söhne, Günter Gustav Kurt Allius (*1933 Bielefeld, †1983 Bielefeld) und Bernd Georg Arnold Allius (*1939 Bielefeld), hervor.

Mit den Kindern und Enkelkindern von Günter und Bernd Allius besteht die Familie Allius in der elften und zwölften Generation in Bielefeld und Eschweiler (Rheinland) weiter.

Porträt Kurt Friedrich Hermann Allius
Kurt Friedrich Hermann Allius

Literaturhinweise

  1. Hellfritzsch, Volkmar: Zur Entwicklung deutscher Zunamen in neuerer Zeit Beobachtungen an Adressbüchern der Stadt Dresden: enthalten in Namenkundliche Informationen. – Leipzig : Univ.-Verl. ; Leipzig : Univ., 1969-. – Bd. 109/110 (2017), S. 291-324
  2. Gerstmann, B. E. Hugo (1923): Allius aus Sachsen – Erste Stammtafel. In Verbandsblatt der Familien Glafey, Hasenclever, Mentzel und Gerstmann, Jg. 15, 1925, Nr. 35/36 Seite 117-120
  3. Gerstmann, B. E. Hugo (1926): Allius in Regensburg. In Verbandsblatt der Familien Glafey, Hasenclever, Mentzel und Gerstmann, Jg. 16, 1926, Nr. 39/40 Seite 173-174
  4. Weißhoff, Jacob (1713): Johann Heinrich Allius Anno MDCCXIII Universitätsbibliothek Regensburg
  5. Der Stammvater ist in der Familiengeschichtsforschung (Genealogie) der früheste geschichtlich belegte Vorfahre eines Geschlechts
  6. Thomas, Otto Paul (1904): Geschichte des Döbelner Schulwesens von den Anfängen bis zur Gegenwart: Festschrift zur Feier des 25. Stiftungsfestes des Pädagogischen Vereins zu Döbeln, Neuauflage Deutsche Nationalbibliothek, 2018
  7. Thomas, Otto Paul (1904): Chronik der Schulen zu Döbeln, Adolph Thallwitz (Hrsg.) Döbeln. Siehe auch Literatur über die Schulen in Döbeln auf Webseite www.döbeln.de
  8. Scheunpflug, Hans (1981): Döbeln in alten Ansichten – 1000 Jahre Döbeln. Webseite www.döbeln.de
  9. Dr. Fürnrohr, Walter (1952): Das Patriziat der Freien Reichsstadt Regensburg zur Zeit des Immerwährenden Reichstags, Seite 222. Universitätsbibliothek Regensburg
  10. N.N.: Ehrenbürger und andere Persönlichkeiten. Webseite www.johanngeorgenstadt-online.de
  11. Zedler, Johann Heinrich (Hrsg.): Grosses vollständiges Universal Lexikon Aller Wissenschaften und Künste, Halle und Leipzig 1751, Spalte 1106, 1107
  12. N.N.: Zur Schulgeschichte seit 1543. Webseite www.landesschule-pforta.de
  13. N.N.: Register der in den Katakomben der Dresdner Frauenkirche beerdigten 244 Person. Webseite https://archive.vn
  14. Pohlig, Karl Theodor: Die Patrizierburgen des Mittelalters in Regensburg. Veröffentlicht in: Verhandlungen des historischen Vereines von Oberpfalz und Regensburg. Band 67. Seite 30/31. Regensburg, 1917.
  15. N.N. (1717): Schutzbrief für Johann Heinrich Allius. Österreichisches Staatsarchiv
  16. N.N.: Das Spital und seine Meister: 1236 bis dato. Webseite https://www.katharinenspital.de
  17. N.N. (1877): Jahresbericht des Westfälischen Provinztal-Vereins für Wissenschaft und Kunst. Webseite https://archive.org/details/jahresberichtde5west

Bildnachweis

  1. ‚Porträt- und ‚Wappenbuch des Hansgerichts Regensburg Stadtarchiv Ravensburg, 1609-1736. fol. Bild 126r Quelle: http://gams.uni-graz.at/o:rpb.band11 siehe auch commons.wikimedia.org