Familie Allius – Familienchronik

Diese Familienchronik beschreibt die Familie Allius über 12 Ge­neration­en. Die Allius’e zo­gen von Sach­sen über Bay­ern und Preu­ßen nach West­­fa­len. Die Familie wurde geprägt von Notaren, Juristen, Kauf­leuten und Be­am­ten. Ver­einzelt sind auch Künstler, In­gen­ieure und Hand­werker zu finden.

Der Familienname Allius

Der Familienname Allius ist ein sehr seltener Nachname. Die Endung ‚­-ius‘ deutet auf eine lateinische Herkunft hin. Die genaue Her­kunft ist aber nicht bekannt. Im Mittelalter war die Verkehrs­sprache der Gelehrten La­tein. Die Latinisierung von Namen war bei Aka­de­mikern sehr beliebt, da nicht­­lateinische Namen in akademische Diskussionen nur um­ständ­lich zu verwenden waren. Stu­den­ten schrieben sich daher oft schon mit einem latini­sier­ten Namen ein. Dokumente die dieses Gebaren in der Familie Allius belegen, sind aber bisher nicht bekannt.

Im Humanismus wurden die klassische Spra­chen, wie Latein und Griechisch, sehr hoch ge­schätzt. Des­wegen latinisierten oder gräzisierten Aka­de­miker ihre Namen schon seit dem 15. Jahrhundert. In Sachsen war dies auch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch sehr beliebt1. Auch in der Familie Allius ist dies zu beobachten. So wurde aus Matthäus Heinrich Allius ⇒ Matthæus Hen­ricus Allius. Zu beachten ist, dass hier nur der Vor­na­me latinisiert werden musste, den der Nach­nahme hatte ja schon eine la­teinische Endung.

Verbindung zum Namen Knoblauch?

Wohlmöglich entstand der Name Allius auch durch Ab­wand­lung des lateinischen Wortes Allium (deutsch: der Knoblauch). Dazu passt eine von B. E. Hugo Gerstmann zusammen­ge­stellte Ahnentafel2 aus dem Ja­hre 1923, die mit der Überschrift „Allius ( ≡ Knoblauch) aus Sach­sen“ betitelt ist. Dies würde diese Hypo­the­se stützen. Bisher habe ich aber keine wei­ter­en Ur­kun­den oder Do­kumente ge­fun­den, die diese Her­kunft des Namens stüt­zen. Ins­be­son­de­re scheint eine Ab­stammung von den Adelsgeschlechtern Kno­blauch eher un­wahr­schein­lich.

Allius’sche Wappen

Das abgebildete Wappen ist bekannt von einem Kupferstich3,4 aus dem Jahre 1713, welches ein Porträt von Johann Heinrich Allius zeigt. Markant ist der Kranich in einem spitzwinklig auf­stei­gen­den Feld mit beidseitig je einen angeordneten Ro­sen­zweig. Jedoch ist nicht bekannt, wer dieses Wappen stiftete und an­nahm. Auch gibt es keine Hinweise, dass seine Brüder eben­falls dieses Wappen führten. Somit scheint es, dass es von Jo­hann Heinrich selbst angenommen wurde und nur durch ihn oder seine Nach­­kommen ge­führt werden dur­fte. Darüber hinaus sind keine weiteren Allius’sche Fa­milien­­wappen bekannt.

Skizze des Allius'schen Wappen
Allius’sche Famillienwappen von
Johann Heinrich Allius

Allius in Frankreich und Amerika

Außer in Deutschland findet man den Fa­mi­lien­­na­men Allius gehäuft noch in Frankreich und Amerika. Jedoch konnte ich eine Ver­bindung unserer Fa­milie nach Frank­reich oder Amerika bisher nicht finden. Im süd­deutschen Raum ist der Name Alius (mit nur ei­nem ‚L‘) häufiger anzutreffen. Auch hier konnte ich noch keine Ver­bindung zu unserer Familie Allius finden, wenn auch ver­ein­zelt in Ur­kunden der Name als Alius geschrieben wurde. Hier handelt es sich aber nur um Schreib­fehler, die nicht weiter fort­ge­führt wur­den.

Erstmalig wurde der Name Allius in einem Tauf­ein­trag vom 11. August 1581 in Tü­bing­en erwähnt. An jenem Tage wurde Hans Philipp Allius als Sohn von M. Er­har­dus Allius und Barbara Allius getauft. Eine Ver­bin­dung zu unserer Familie ist bisher nicht nachgewiesen.


Unser Stammvater – Vom Schulmeister zum Notar

Der nach­gewiesene Stammvater5 der Familie Allius ist der Notar Matthäus Allius Senior. Er lebte in Grimma (Sachsen) und später in Döbeln bei Leip­zig, wo er 1669 verstarb. In Grimma wurde auch sein Sohn Matthäus (*1632) und in Döbeln seine Tochter Anna Maria (*1636) geboren. Die Tochter heiratete Christian Beyer und lebte bis zu ihrem Tode (†1694) in Döbeln.

Otto Paul Thomas beschrieb in „Chronik der Schulen zu Döbeln“6,7 den Schulmeister Matthäus Allius. Matthäus war danach Schul­meister in einem kleinen Dorf an der säch­sisch-bö­mischen Grenze und betitelte sich als Rechenmeister. Er zog 1635 nach Döbeln. Die kommenden Zeiten in Döbeln waren schwer. Im Jahre 1637 kam die Pest und Schwe­den plün­der­ten die Stadt8. Seine Fa­mi­lie blieb wohl von beidem verschont, jedoch hatte er nur geringe Ein­nahmen aus dem Schuldienst. Seine Frau eröffnete darauf einen Ge­würz­laden. 1641 kündigte Matthäus den Schul­dienst, weil er lieber Han­del be­trieb. Im Jahre 1659 war er dann ‚Notar publ. und Juris pract.‘ zu Döbeln.

Die Zeit in Johanngeorgenstadt (Erzgebirge)

Der Sohn Matthäus Allius Junior besuchte von 1646 bis 1651 die Fürstenschule zu Grim­ma2. Anschließend studierte er an der Universität zu Leipzig. Später wurde Matthäus Steu­er­in­spek­tor, Stadtrichter und Stadtschreiber in der 1654 neugegründeten Exulanten- und Berg­stadt Johann­georgen­stadt. Für seine Verdienste um die Stadt erhielt Matthäus 1680 für sein Bürgerhaus am Markplatz das kurfürstliche Privileg. Im Jahr 1659 heiratete er in Dö­­beln die aus Döbeln stammende Anna Sophia Franke. Zur Hoch­zeit seines zweiten Sohnes wird Matthäus 1694 mit den Worten

Der „Edel Veste und Wohl­ge­lehr­te Herr“ Matthäus Allius, kur­fürst­lich sächsischer Steu­er­in­spek­tor, Stadtrichter und Stadt­schrei­ber in Johann-Ge­orgen­stadt

im Kirchenbuch beschrieben9. Matthäus und An­na Sophia bekamen zehn Kinder (6 Töch­ter und 4 Söhne).

Drei seiner Töchter heirateten in die Familie Löbel ein, aus der der erste Bürger­meister, Johann Löbel der Älteste10 (1592-1666), und der erste Berg­meister, Abraham Wenzel Löbel10 (1631-1707), von Johann­georgen­stadt stammten. Der älteste Sohn Dr. Matthäus Hein­rich Allius ging nach Dres­den, der zweite Sohn Johann Heinrich Allius, wie auch der jüngste Sohn Julius Heinrich, gingen nach Regensburg. Der dritte Sohn Christoph Hein­rich Allius ver­starb mit nur 28 Jahren (†1700) ein halbes Jahr vor dem Vater Notar Matthäus (†1701). Damit verschwand die Familie Allius wieder aus Jo­hann­­georgen­­stadt.


Familie Allius in Oschatz und Dresden

Der Hof- und Justitienrat Dr. Matthäus Heinrich Allius

Der 1662 in Johanngeorgenstadt ge­bore­ne  Matthäus Hein­rich Allius besuchte in Johann­ge­orgen­­stadt die La­tein­schule. An­schließ­end, im Jahre 1673, wurde er von seinen Eltern in die Stadt­schule zu Döbeln ge­sen­det11. Da­nach ging er von 1675 bis 1681 an die Landes­schule Pfor­ta12, wo er eine Frei­stelle erhielt. Danach studierte er an der Universität zu Leipzig Rechts­wis­sen­schaft und pro­­mo­­vierte 1687 in Wittenberg. Er heiratete 1689 in Oschatz (Sachsen) die aus Dres­den stam­men­de Johanna Sophia Höpner. Das Ehepaar bekam in Oschatz vier Kin­der (3 Töchter und 1 Sohn). Der 1690 geborene Sohn Au­gust Heinrich Allius studierte ebenfalls die Rechts­­wis­sen­schaft und promovierte 1713 an der Universität Wit­ten­berg. Im Jahre 1720 ver­starb der Sohn Dr. August Hein­rich Allius nur 30 Jahre alt. Ehefrau und Kinder sind nicht be­kannt. 

Nach seiner Promotion wechselte Dr. Matthäus Heinrich Allius in den sächsischen Staatsdienst. Ihm wurde zu­nächst die Kam­mer-Pro­ku­rator aufgetragen11. 1710 wurde er ins Hof- und Ju­sti­tien Raths Collegium am Ober­­hof­ge­richt in Dresden berufen. Bis zu seinem Tod hatte er dort ei­nen dauerhaften Platz auf der Ge­lehr­ten­bank. Im Jahre 1715 verstarb seine Ehefrau Johanna So­phia Höpner in Dresden. Zwei Jahre später heiratete er Gertraude Henriette Albhard aus Helms­dorf. Diese Ehe blieb soweit bekannt kinderlos.

Gräber in der Dresdener Frauenkirche

Im Jahr 1731 stiftete Matthäus Heinrich die Allius’sche Stif­tung zur Unterstützung seiner Ver­wand­ten, bevor er 1734 in Dresden verstarb. Matthäus und seine Frau So­phia wurden in den Stol­len der Dresdner Frauen­kir­che13 beigesetzt. Im Register der Ka­ta­kom­ben ist unter den 244 aufgeführten Personen, auch das Ehepaar Ulrici auf­ge­führt. Die Ehefrau Rahel Sophia Ulrici (geb. Allius) war die jüngste Tochter des Dr. Matthäus Allius und heiratete 1710 in Dresden den Rechts­anwalt Dr. Albinus Ehren­fried Ulrici. Rahel starb 1751 und Albinus 1758. Mit ihn­­en wur­den somit vier Familienmitglieder in den Stollen der Dresdener Frauenkirche bei­ge­setzt.

Porträt Matthäus Heinrich Allius, Dresden 1734
Bildquelle: Picryl.com
Dr. Matthäus Heinrich Allius
Dresden 1735

Zwei Allius’e gehen nach Regensburg

Der Ratsherr Johann Heinrich Allius

Der 1666 in Johanngeorgenstadt geborene Johann Hein­rich Allius wurde Kaufmann. Er hei­ra­tete 1694 in Re­gens­burg als Bürger und Kramhändler die Anna Maria Dummer. Anna Maria war eine Bürgers- und Kram­händ­lers-Witwe. Ein Kram­händ­ler handelte mit qua­li­ta­tiv hoch­wer­tiger Ware (Kramware), die in der Regel Güter des gehobenen Bedarfs oder aus dem Fern­han­del wa­ren. Die Kram­händler genossen gesellschaftliche Wert­schät­zung.

Johann Heinrich erwarb das mittelalterliche Anwesen an der Ecke Untere Bach­gasse / Ge­sand­ten­straße Haus­­num­mer 12/14 in Regens­burg und baute dies von 1704 bis 1713 um­fäng­lich um. Unter­anderen wurde der Gie­bel ge­än­dert und das Haus erhielt einen Auf­zugs­­er­ker für die Han­dels­­waren14.

Von 1704 bis 1711 steht Johann Heinrich in den Listen des Hans­ge­richts und er war Mit­glied des Äußeren Rats. An­schließ­end wurde er Steu­er­amts­as­ses­sor bis er 1722 in den Innern Rat ge­wählt wurde9.

Porträt und Wappen Johann Heinrich Allius 1704
Bildquelle: Wikimedia Commons
Johann Heinrich Allius
Porträt zur Wahl ins Hansgericht
Regensburg 1704

Schutzbrief gegen Repressalien

Im Jahre 1717 wurde für Johann Heinrich ein Schutz­brief15 mit folgenden Titel ausgestellt:

Allius, für Johann Heinrich Allius (Bürger, Handelsmann und Steu­er­as­ses­sor in Re­­gens­­burg), der durch den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach Re­pres­salien be­fürchtet, nachdem er seinen durch den Mark­grafen gefangen ge­setzten Freund (Doktor Händel, ehemals Hofprediger am Ans­bachisch­en Hof) während der Ge­fang­­en­­schaft mit Geld und Kleidung versorgt hat

Johann Heinrich verstarb mit 61 Jahren (†1728 Re­gens­burg). Sein Anwesen in der Unteren Bach­gas­se 12/14 blieb bis 1810 im Besitz der Allius’schen Erben und wur­de dann verkauft. Heute ist er noch als Schwa­­bacher (zu­vor Lerchen­­felder) Hof in Regens­burg be­kannt.

Johann Heinrich und Anna Maria hatten zwölf Kinder (6 Töchter und 6 Söhne). Nur von ihrem fünf­ten Sohn Jo­hann Zacharias (*1713) sind weitere Kinder be­kannt. Die­ser Johann Zacharias heiratete zweimal. Von seiner ers­­ten Frau, Maria Barbara Keller (*1724), bekam er fünf Kinder (3 Töchter und 2 Söhne) und von sei­ner zweiten Frau, Margaretha Eli­sa­beth Karoline, eine weitere Toch­ter.

Grabmahl St. Petri Friedhof Regensburg

Auf dem Foto ist das im Jahre 1728 an­ge­legte Grabmal zu Ehren der beiden Ehe­männer Johann Caspar Weller und Jo­hann Heinrich Allius und der Ehefrau und Witwe Anna Maria geb. Dummer zu sehen.

Genealogische Daten:
Johann Caspar Weller (*15.2.1667, †16.2.1696) 
Johann Heinrich Allius (*12.3.1666, †23.2.1728)
Anna Maria Dummer (*16.7.1676, †28.11.1750)

Der weltliche Spitalmeister Julius Heinrich Allius

Der am 28. September 1674 in Jo­hann­ge­orgen­stadt geborene Julius Heinrich Allius hei­ratete Margarethe Christina geb. Gemeiner (*1670). Soweit be­­kannt hatten Sie zehn Kinder (5 Töchter und 5 Söhne). Julius Hein­rich war von 1709 bis 1726 weltlicher Spital­meister des Sankt Ka­tharinen­spitals zu Regens­burg16. Er verstarb 1727 und wurde in Regens­burg be­erdigt. Nur von zwei seiner Söhne sind Kinder bekannt. Vom zweiten Sohn Gottlieb Hein­rich (*~1703, †1770) ist ein Sohn, David Heinrich (*1745 Re­gens­burg, †1762), ur­kund­lich bekannt.

Familie Allius wieder in Dresden

Der Proviant-Offizier Jacob Heinrich Allius

Mit Julius Heinrichs dritten Sohn, Jacob Hein­rich Allius (*1707 Freiberg, †1758 Dres­den), ging zum zweiten Male ein Allius nach Dresden.

Er heiratete dort Catharina Sophia Petzold (*1712) und wurde Proviant-Offizier und später Proviant-Kom­missar in der Säch­­sisch­en Armee. In der Zeit führte die Säch­sische Ar­mee vier Krie­ge, den Pol­nisch­er Thron­fol­ge­krieg (1733-1738), den Ersten Schlesischer Krieg (1741-1742), den Zweiten Schlesischer Krieg (1744-1745) und den Sieben­jährigen Krieg (1756-1763). Sie bekamen fünf Kinder (1 Tochter und 4 Söhne). Nur vom älterem Sohn, Anton Heinrich Allius, sind weitere Nach­kommen nachgewiesen.


Die Zeit der Wundärzte (Chirurgi)

Im 18. Jahrhundert wurde noch, wie im Mittelalter, zwischen hand­werk­lichen und aka­de­mische Ärzten unterschieden. Während die gelehrten Ärzte (Medici) für die Innere Medizin zu­ständig waren, wurden Ope­ra­ti­on­en und Wund­ver­sor­gun­gen ausschließlich von Wund­ärzten (Chirurgi) vor­ge­nom­men. Die Wundärzte hatten eine handwerkliche Aus­bil­dung bei einem Bader oder Barbier zu durch­lau­fen. Sie legten eine Gesellenprüfung vor einem aka­­de­­­mischen Arzt ab. Anschließ­end ging der Geselle circa sechs Jahre auf Wan­der­schaft. In der Meister­prüfung wurde auch eine theoretische Prü­fung in Anatomie und Chirurgie ab­gelegt. Zur Qualitäts­si­cher­ung wur­den Berufs­ordnungen geschaffen, so durf­ten be­stimm­te Operationen nur in An­we­sen­heit eines gelehrten Arztes durchgeführt wer­den.

Der Wundarzt Anton Heinrich Allius

Der in Dresden geborene Anton Heinrich Allius (*1739 Dresden, †1822 Birnbaum) war ein solcher Chirurg in Birnbaum. Im Jahre 1781 heiratete er die Anna Rosina geb. Schiering. Sie hatten fünf Kinder (2 Töchter und 3 Söhne). Die ältere Tochter Christine Charlotte (*1784) heirate den Apo­the­ker Johann Friedrich Damaschke. Die Söhne Gott­fried Hein­rich (*1782, †1838 Königsberg (Neumark)) und Johann Gottlieb (*1789, †1873 Birn­baum) wurden ebenfalls Wund­ärzte. Die jüng­ste Tochter Dorothee Flo­ren­ti­ne Wilhelmine Allius (*1792) hei­ra­te­te den Tuch­macher­mei­ster Johann Michael Prettin. Der jüngste Sohn Jakob Heinrich Allius (*1794, †1813) verstarb mit nur 18 Jahren.

Der Wundarzt Gottfried Heinrich Allius

Gottfried Heinrich Allius wurde Kreis-Wund­arzt zu Königsberg in der Neumark. Er war drei­mal verheiratet. Im Jahre 1806 heiratete er Johanna Wil­hel­mine geb. Kuh­now (*1786, †1816), die mit nur 30 Jah­ren an Auszehrung starb. Bereits einen Monat nach dem Tod seiner ersten Frau, heiratete er die Friederike Karoline geb. Kuh­now (*1793, †1836). Ver­mut­lich eine Schwester oder Cou­si­ne seiner ersten Frau. Aus der ersten Ehe ging nur ein Kind, Emilie Berta (*1809, †1829), hervor. Emilie Berta nahm sich mit nur 20 Jahren das Le­ben. Bereits vier Monate nach der Hochzeit mit Frie­de­rike Ka­ro­line kam das Erste von fünf Kindern (3 Töchter und 2 Söhne) aus der zweiten Ehe zur Welt. Der erste Sohn Hein­rich Leonhardt Gustav (*1816) wurde Maler. Sein einziger Sohn verstarb mit nur sieben Jah­ren.


Freischulz zu Dragebruch (Neumark)

Das Lehnswesen bezeichnet das umfassende erbliche Nutzungsrecht an einer fremden Sa­che, dem Lehn, welches von dem Besitzer vergeben wurde. Bei dem Lehn handelt es sich oft um ein Gut, dem Lehngut. Ein Lehn­schulz ist ein Schuldheiß, der ein mit seinem Amt un­teil­bar ver­bundenes ver­erb­liches Lehn­gut inne hatte. Bei dem Lehn­­gut handelt es sich meist um den größten Bau­ern­hof des Ortes. Der Lehnschulz war nor­maler­weise von der Pflicht der bäuer­lichen Ab­gaben befreit und wurde daher auch Frei­schulz be­zeichnet. Mit dem Tod eines Lehn­­schul­­zen ging dessen Amt und Hof an den ältesten Sohn über. Fehlte ein männ­licher Nachfolger, so erbte der Ehe­mann der ältesten Tochter.

Der zweite Sohn von Gottfried Heinrich, Hermann Reinhold Heinrich Allius (*1819 Kö­nigs­berg, †1888 Münster) war ein an­geh­en­der Freischulz. Er heiratete 1844 die Au­gus­te Emilie Rosalie Mathilde Munk (*1824), die älteste Tocher des Frei­schulz Gott­lob Munk zu Drage­bruch. Damit wurden er an­geh­en­der Frei­schulz zu Drage­bruch. Aus der Ehe gingen keine Kinder hervor.

Die Königlich-Westfälische Eisenbahn

Acht Jahre später, im Jahre 1852 heiratete er zum zweiten Mal. Diesmal die Elise The­odora Marie Süßenbach aus Schmie­de­berg (Schlesien). Im entsprechenden Kir­chen­buch von Wille­bad­essen wurde ver­merkt, dass Her­mann Reinhold Heinrich Allius Jung­geselle sei. Wenn dies kein Feh­ler war, könnte dies auf eine Scheid­ung oder Annullierung der erste Ehe hin­wei­sen. Aus der zweiten Ehe gingen sechs Kin­der (2 Töchter und 4 Söh­ne) hervor. Hermann Reinhold Heinrich Allius ar­bei­tete bei der königlich Westfälischen Ei­sen­bahn und so zog die junge Fa­mi­lie recht häu­fig um (1852 Willebadessen, 1854 Warburg, 1856 Greven, 1861 Hamm). Zu­letzt zog die Familie nach Mün­ster wo er spä­ter als Ei­sen­bahn-Se­kre­tär pen­sioniert wur­de. Rein­hold Allius war or­­dent­li­ches Mit­glied im West­fälischen Ver­ein für Vo­gel­schutz, Ge­flügel- und Sing­vögel­zuch­t17.

Die vier Söhne von Hermann Allius

Der erste Sohn Bernhard Allius (*1854 War­burg) wurde Buch­halter und ging zu­nächst nach El­bing und später nach Berlin. Siehe dazu „Familie Allius – Die Allius-Schöler Line„.

Westfälische Staatseisenbahn am Pass von Neuenheerse, 1855
Bildquelle: Illustrierte Zeitung 24. Band 1855
Westfälische Staatseisenbahn am Pass von Neuenheerse, 1855

Der zweite Sohn Reinhold Hermann Emil Allius (*1856 Greven, †1884 Vlotho) ging als Kauf­mann nach Vlo­tho und heiratete 1882 die Wilhelmine Henriette Pohlmann. Jedoch ver­starb er nur 2,5 Jahre später. Die Ehe blieb kinderlos.

Der dritte Sohn Gustav Albert Allius (*1857 Greven, †1873 Münster) verstarb mit nur 15 Jahren an Lungenschlange (plötzlicher Tod bei einer Lun­gen­embolie).

Der vierte Sohn Hermann Albert Reinhold Allius (*1863 Hamm, †1944 Bielefeld) blieb in West­falen. Siehe d­azu „Familie Allius – Die Allius-Lucks Linie„.


Familie Allius – Die Allius-Schöler Linie

Bernhard Allius ging von Münster nach Elbing. Dort hatte er eine Stellung als kaiser­licher Bank­buch­halter. Später heiratete er (⚭ 1885) in Elbing Ma­rie Schöler (*1863). Sie be­ka­men fünf Kinder (3 Töchter und 2 Söh­ne), die alle in Elbing geboren wurden. Bern­hard wur­de mehrmals befördert und war 1894 Reichsbankbuchhalter und 1908 Reichs­bank­kas­sier­er. Dann ging er nach Berlin, wo er später zum Reichsbank Oberbuchhalter be­för­dert wurde.

Bruno Allius wird Heilpraktiker

Sein ältester Sohn Bruno Bernhard Paul Allius (*1887 Elbing, †1962 Braunschweig) wurde Betriebstechniker und Ingenieur. Er ging nicht mit sei­nem Vater nach Berlin sondern blieb in Elbing, heiratetet dort (⚭ 1914) Hedwig Klara Schudde. 1915 wurde er zum Militär­dienst einberufen und war be­ra­ten­der Ingenieur im Kraft­wa­gen­hilfs­de­pot. Nach Ende des ers­ten Welt­krieges zog er nach Braun­schweig, wo er als Heil­prak­ti­ker eine Praxis für Bein­leiden er­öff­netet. Aus der Ehe ging ein Kind (1 Tochter) hervor. Nach dem Tod seiner Frau hei­ratete er 1957 noch ein zweites Mal. Die zweite Ehe blieb kin­der­los. Die Pra­xis wurde von seinem Part­ner Günther Weinrich über­nommen und wird von dessen bei­den Söhnen heute noch weiter­ge­führt.

Werner Allius am Deutschen Opernhaus Berlin

Der jüngere Sohn Werner Allius (*1894 Elbing, †1953 Berlin) war Ober­real­schüler und be­sucht 1913 die Kunst­schule. 1915 ging er wie sein großer Bruder zum Militärdienst. Zu­nächst ging er als ein­jährig-Frei­wil­liger zur Eisen­bahn­bau-Kom­panie. Später wurde er Un­­ter­­of­fi­zier und Offiziers­an­wär­ter. 1918 kam er als Vize­feld­webel leicht verletzt nach Berlin zurück. Dort war er zunächst als Kauf­mann tätig. Sein Interesse für die Kunst blieb aber. Im Adress­buch wird er später als Opern­sängern betitelt. 1935 war er dann Inspizient des Deutschen Opernhauses. Wer­ner Allius heiratete (⚭ 1923) Antonie Emilie Regine Süßer. Sie bekamen einen Sohn Bernd Götz Allius (*1925 Berlin).


Familie Allius – Die Allius-Lucks Linie

Herman Albert Reinhold Allius wuchs in Hamm und später (1875) in Münster auf. Über sei­ne Berufs­aus­bildung ist nichts be­kannt. jedoch wurde er in der Ster­be­ur­kun­de seines Va­ters (†1888) als Militär­in­valide angegeben. Vier Jahre nach dem Tod des Vaters hei­ratete er die Emma Maria Lucks (*1872 Ogonken, †1956 Bielefeld). Er ar­bei­te­te in Münster als Hülfs­schreiber und Hülfs­kanzlist am Gericht. 1899 ging er für drei Jahre nach Bo­chum und ging an­schließ­end wieder nach Bielefeld. 1924 wurde es dort als Kanzleisekretär pen­sion­iert. Aus der Ehe gin­gen fünf Kinder (2 Töchter und 3 Söhne) her­vor.

Sein erster Sohn Hermann Bernhard Karl Allius (*1893 Münster, †1894 Münster) ver­starb mit nur 6 Monaten.

Familie Allius in Bielefeld

Der zweite Sohn Arnold Bernhard Carl Allius (*1895 Münster, †1926 Gütersloh) war Stadt­sekretär in Bielefeld. Er heiratete 1921 die Er­na Marie Seelemeyer (*1901 Bie­le­feld, †1977 Bielefeld). Die Ehe wurde nach nur drei Jah­ren wieder geschieden. Ein­ein­halb Jah­re nach der Scheid­ung ver­starb Arnold Allius in der Provin­zia­lheil­an­stalt zu Gü­ters­loh. Die Ehe blieb kinderlos.

Der Sparkasseninspektor Kurt Allius

Kurt Friedrich Hermann Allius (*1902 Bo­chum, ⚔1945) war der jüng­ste Sohn von Rein­hold Allius. Kurt war 1927 Hand­lungs­ge­hil­fe in Bielefeld und wurde in den nach­fol­gen­den Jahren Spar­kas­sen­se­kre­tär, Spar­kas­sen­inspektor und zuletzt Kreis­spar­­kas­sen­inspektor.

Er heiratete 1930 die Marie Margarete Vogel (*1904 Bielefeld, †1989 Bielefeld). Nach der Hochzeit baute er in der Die­ster­weg­stra­ße un­ser Elternhaus, in das sie 1935 einzogen. Aus der Ehe gin­gen zwei Söhne, Günter Gustav Kurt Allius (*1933 Bie­le­feld, †1983 Bie­le­feld) und Bernd Georg Arnold Allius (*1939 Bie­le­feld), hervor.

Mit den Kindern und Enkelkindern von Gün­ter und Bernd Allius be­steht die Familie Allius in der elften und zwölf­ten Generation in Bie­le­feld und Esch­wei­ler (Rheinland) wei­ter.

Porträt Kurt Friedrich Hermann Allius
Kurt Friedrich Hermann Allius

Literaturhinweise

  1. Hellfritzsch, Volkmar: Zur Entwicklung deutscher Zunamen in neuerer Zeit Beobachtungen an Adressbüchern der Stadt Dresden: enthalten in Namenkundliche Informationen. – Leipzig : Univ.-Verl. ; Leipzig : Univ., 1969-. – Bd. 109/110 (2017), S. 291-324
  2. Gerstmann, B. E. Hugo (1923): Allius aus Sachsen – Erste Stammtafel. In Verbandsblatt der Familien Glafey, Hasenclever, Mentzel und Gerstmann, Jg. 15, 1925, Nr. 35/36 Seite 117-120
  3. Gerstmann, B. E. Hugo (1926): Allius in Regensburg. In Verbandsblatt der Familien Glafey, Hasenclever, Mentzel und Gerstmann, Jg. 16, 1926, Nr. 39/40 Seite 173-174
  4. Weißhoff, Jacob (1713): Johann Heinrich Allius Anno MDCCXIII Universitätsbibliothek Regensburg
  5. Der Stammvater ist in der Familiengeschichtsforschung (Genealogie) der früheste geschichtlich belegte Vorfahre eines Geschlechts
  6. Thomas, Otto Paul (1904): Geschichte des Döbelner Schulwesens von den Anfängen bis zur Gegenwart: Festschrift zur Feier des 25. Stiftungsfestes des Pädagogischen Vereins zu Döbeln, Neuauflage Deutsche Nationalbibliothek, 2018
  7. Thomas, Otto Paul (1904): Chronik der Schulen zu Döbeln, Adolph Thallwitz (Hrsg.) Döbeln. Siehe auch Literatur über die Schulen in Döbeln auf Webseite www.döbeln.de
  8. Scheunpflug, Hans (1981): Döbeln in alten Ansichten – 1000 Jahre Döbeln. Webseite www.döbeln.de
  9. Dr. Fürnrohr, Walter (1952): Das Patriziat der Freien Reichsstadt Regensburg zur Zeit des Immerwährenden Reichstags, Seite 222. Universitätsbibliothek Regensburg
  10. N.N.: Ehrenbürger und andere Persönlichkeiten. Webseite www.johanngeorgenstadt-online.de
  11. Zedler, Johann Heinrich (Hrsg.): Grosses vollständiges Universal Lexikon Aller Wissenschaften und Künste, Halle und Leipzig 1751, Spalte 1106, 1107
  12. N.N.: Zur Schulgeschichte seit 1543. Webseite www.landesschule-pforta.de
  13. N.N.: Register der in den Katakomben der Dresdner Frauenkirche beerdigten 244 Person. Webseite https://archive.vn
  14. Pohlig, Karl Theodor: Die Patrizierburgen des Mittelalters in Regensburg. Veröffentlicht in: Verhandlungen des historischen Vereines von Oberpfalz und Regensburg. Band 67. Seite 30/31. Regensburg, 1917.
  15. N.N. (1717): Schutzbrief für Johann Heinrich Allius. Österreichisches Staatsarchiv
  16. N.N.: Das Spital und seine Meister: 1236 bis dato. Webseite https://archive.ph
  17. N.N. (1877): Jahresbericht des Westfälischen Provinztal-Vereins für Wissenschaft und Kunst. Webseite https://archive.org/details/jahresberichtde5west

Bildnachweis

  1. ‚Porträt- und ‚Wappenbuch des Hansgerichts Regensburg Stadtarchiv Ravensburg, 1609-1736. fol. Bild 126r Quelle: http://gams.uni-graz.at/o:rpb.band11 siehe auch commons.wikimedia.org

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